Die Entstehung (Theorie)


Beweggründe


Es war an Weihnachten, vor langer Zeit. Mein Vater hatte in mühevoller Arbeit ein Kasperletheater gebaut um den Figuren welche meine Schwester und ich geschenkt bekamen eine würdige Bühne zu verschaffen. Mein Kommentar als kleiner Junge war anscheinend:“Was ist denn das für ein Schrank?“ Ich erinnere mich selbst nicht daran, jedoch sollte genau dieses Theater mit dem liebevoll gemalten Kasper auf der Frontseite, viele Jahre später, immer am 1. Weihnachtsfeiertag zu seiner Bestimmung kommen.

Die Faszination Puppenspiel jedoch begleitet mich trotz meiner damalig, ablehnenden Haltung mein Leben und im besonderen, die Marionette.

Wenige Jahre später schon presste ich mir (und es war wieder einmal Weihnachtszeit)die Nase an einem Schaufenster eines Ladengeschäfts in unserer Nachbarschaft platt. Dahinter hing, wie kann es anders sein, eine wunderschöne Marionette welche einen Art Waldgnom darstellte. Über die Wichtigkeit und Lebensnotwendigkeit, diese Marionette unter dem Christbaum in Empfang nehmen zu können, ließ ich meine Eltern sehr gewissenhaft
wissen. Durch den Umstand der Grossfamilie feierten wir meistens
denHeilig Abend versetzt. So waren wir diese Weihnachten zuerst bei den Grosseltern Väterlicherseits wo auch meine Tante nebst Mann und meinen Cousins weilte. Wahrscheinlich hat seither der Begriff Bescherung für mich eine eigene Bedeutung bekommen. Als mein Cousin sein Päckchen meiner Eltern auspackte, packte mich die reine Leere. Ich verliess, meine Tränen noch unterdrückend, das Wohnzimmer um mich in eine Ecke des Hauses zu verziehen. Mein Cousin bekam doch tatsächlich meine Marionette. Dieser Kindliche Schmerz und diese empfundene Missachtung waren so Schmerzvoll, dass auch meine Mutter, welche mir hinterhereilte keine Möglichkeit hatte mich zu trösten. Auch als sie mir mein Geschenk
brachte und für mich öffnete (da ich nicht dazu in der Lage war) konnte ich mich nicht begeistern. Auch ich bekam eine Marionette geschenkt. Einen Zwerg. Ein liebloser, aus Holzperlen und Stäbchen zusammengesetzter blöder Zwerg mit einer Spielkreuzkontruktion welche es unmöglich achte diesen blöden, hässlichen Zwerg nur annähernd leben zu lassen.

Ich startete in meiner frühen Jugendzeit einige Versuche eine wirklich spielbare Marionette zu bauen mit mässigem Erfolg, liess mich jedoch nicht entmutigen. Auch wenn ich mir mit Hingabe die Sendungen der Augsburger Puppenkiste verfolgte, waren mir diese Marionetten doch irgendwie zu „hüpfig“. Auch Roby, Toby und das Fliwatüt und manch andere Marionettenstückchen aus dem Sandmännchen faszinierten mich doch sehr besonders.

Mit 17 stiess ich dann zu einer Gruppe welche ein eigenes Marionettenstück, „König Mammon“ auf die Bühne bringen wollte. Wir erarbeiteten uns ein Stück, bestehend aus Charakteren wie Liebe, Sanftmut, Freiheit, Schönheit, Magie, Mephisto, Angst, Militant und König Mammon. Später kam dann noch Mammons Sohn dazu. Wir übten, probten, bauten, schrieben um. Kurzum, nach langer intensiver Arbeitsphase trafen wir uns zur Generalprobe auf einem „Hüttenwochenende“. Ein Saal zur Adventszeit war angemietet und die ersten Karten verkauft. Nur wurde leider die
Idee unserem Stück den letzten Schliff zu verpassen missverstanden und die Spieler schliffen sich gegenseitig. Da half kein Kitt und Leim mehr. Es kam nie zur Aufführung.


Trotz dieser „Niederlage“ im Gepäck liess mich die Phaszination der Marionetten nicht mehr los. Denn ich wusste ja nun dass es mir möglich ist.

Viele Jahre sammelte ich alles was es über Marionettenzu wissen gilt und mir zugänglich war. Immer mit dem Wunsch verbunden, es einmal umzusetzen. Meine fachlichen Ausbildungen wie Holzfachschule, Schriftenmaler und Werbetechniker, Grafiker und Studium zum Fachlehrer für Kunst, Technik und IKuM sollten sich doch als dienliches Handwerkszeug erweisen.

Ein ausschlaggebende Moment war ein Reclam Heft, welches ich mir beim Warten auf die Strassenbahn in einem Antiquariat zulegte. „Advent im Hochgebirge“ von Gunnar Gunnarson. Schon beim lesen der ersten Seiten spielte diese Erzählung für mich auf einer Marionettenbühne. Bei jeder neuen Szene stellte ich mir vor wie sie zu adaptieren sei. Seither bin ich nun, mehr denn je, daran mein Marionettentheater zu entwickeln. Auf verschiedensten und vielfältigsten Ebenen.

Das Festival Mondial des Théâtres de Marionnettes 2011 tat sein übriges hinzu und beschleunigte die Sache ungemein. Hierzu habe ich einen eigenen Post, den Ihr hier einsehen könnt.




Namensfindung

Aus meiner Erfahrung als Werbeschaffender und aus Künstlerischer Tätigkeiten weiss ich, dass es nicht darum geht etwas neues zu schaffen, sondern das sich das „Neue“ aus Bausteinen neu zusammensetzt. So wie der Parfümeur, welcher es vermag aus den gleichen Grunddüften immer wieder neue Kreationen hervorzuzaubern. So wie der Koch der die Einzigartigkeit des einzelnen Geschmacks einer Zutat mit anderen zu „neuen“ Geschmackserlebnissen zu kombinieren vermag. Nach dieser Vorgehensweise kreierte ich den Namen nebst Beschreibender Zusätze:


Phantasmagorium

Als Hörspielfan stolperte ich eines Tages über „Rausch“ eine wunderbare Inszenierung über die Verlegung des Transatlantischen Kabels welches die „Alte Welt“ mit der „Neuen Welt“ verbinden soll. Die Anfänge Transatlantischer Kommunikation. Um Sponsoren zu finden, gehen diese Pioniere mit einem Theater auf Tournee um ihre Idee greifbar zu machen und ihre Geldgeber zu phaszinieren. Kein normales Theater. Es soll den Betrachter alles erleben lassen. Er soll die Hitze des Feuers spüren, Gerüche wahrnehmen und wenn die Gischt über den Kulissenschiffsrumpf spritzt sogar den salzigen Geschmack auf den Lippen schmecken. Diesem Theater gaben sie den Namen „Phantasmagorium“. Das entsprach absolut meiner Vorstellung von Name und Inhalt. Auch die Recherche über Abstammung und Synonyme bestätigten meine Innere Überzeugung. So war die erste Zutat gefunden und auch die Phonetik empfinde ich als sehr überzeugend.


Curios

Die Ableitung meines Nachnamen „Kurrus“ zu „Curios“ lag auf der Zunge. Nicht unbedingt meiner eigenen, vielmehr auf denen einiger Menschen welche mich hin und wieder als Herr Kurrios bezeichnen, ja sogar anreden, es ist in manchen Kreisen fast schon ein Spitzname. Das „C“ habe ich mir aus optischen Gründen einfach aus dem englischen geliehen. Die Synonyme sind selbstredend. Wenn das nicht passt.



Ein Marionettentheater


Das soll es ja sein und ist damit selbstredend ein unmissverständlich erklärender Begriff. Auch hier möchte ich die Synonyme anführen, nicht nur allein der Vollständigkeit wegen, sondern auch in seine Worte Marionette und Theater getrennt betrachtend, da sich hierdurch eine mannigfaltiger Bedeutung ergibt. Auf eine, bei traditionellen Marionettenbühnen oft übliche „Übertreibung“ bzw. „Überspitzung“ habe ich bewusst verzichtet. Dies wäre sicherlich durch eine Benennung „Das Marionettentheater“ möglich gewesen. Ich denke jedoch in Betrachtung des Gesamtnamens mit dieser Zurückhaltung gut getan zu haben.


Resümee

Sicherlich ist diese aneinderreihung von vier Begriffen eine Herausforderung in vielerlei Hinsicht, jedoch unmissverständlich in Bezug auf die Bedeutungschwingung welche daraus entsteht. In der Optischen Umsetzung zum Erscheinungsbild wurde die Herausforderung besonders deutlich. Es stellte sich jedoch durchaus als möglich heraus, auch wenn ich während dieses Prozesses eine Namensänderung durchaus in Erwägung gezogen habe.

So war der Name geboren:






Philosophie

Nach reichlichem Studium unterschiedlichster Bücher, Fachzeitschriften, Filmen, Inhalten aus dem Internet, besuche verschiedenster Festivals und einzelner Marionettenbühnen usw. verfestigte sich meine eigen Vorstellung eines Marionettentheaters bzw. schälte sich als Essenz aus aus diesem Eindrucks-, und Wissenssammelsurium heraus. Eben um diese Sehnsucht, wie in nebenstehendem Zitat geht es. 
Aus der Geschichtlichen Tradition des Marionettentheaters ergibt sich für mich, dass mein Marionettentheater eine „Volksbühne“ sein muss. Ohne diesen absoluten Anspruch des Spiels welches nur einer kleinen elitären Gruppe zugänglich, sowie zuträglich ist. Im Gegensatz zu einer Kollegin welche sich sehr borniert über eine Marionettenspielerin, die sich für ein Werbeplakat für eine „Ich AG“ zur Verfügung stellte. Genau diese Vielfalt macht doch dieses Fach so spannend. Auch ein Blick zurück in die Geschichte der Marionettenspieler zeigt, dass es schon immer ein „buntes Völkchen“ war. So will ich jegliches Dogma heraus lassen. Ich habe mich für die Verdeckte Spielweise entschieden, um den Zauber des Spiels bestehen zu lassen. Ich kann der offenen Spielweise selbst nichts abgewinnen und verstehe mich auch nicht auf ein gemischtes Spiel. Meine Phaszination gehört der traditionellen Marionettenbühne in Inhalt und äusserem Erscheinungsbild. Sicherlich nicht ohne moderne Einflüsse und Techniken. Kennen wir nicht alle die Phaszination wenn ein Zirkus in die Stadt kommt und den Unterschied ob da nun moderne Wohnwagen um ein liebloses Zelt stehen, oder wir beim Anblick ins träumen kommen bei einem Zirkus wie Roncali?

Dieser Funktionen der traditionellen äusseren Erscheinung bediene ich mich, um den Einstieg des zu erlebenden im „Innern“ in Einklang zu bekommen. Nostalgisch, romantische Elemente um die Seelen zu öffnen. Die Perfektion, die Liebe zum Detail und Authenzität eines Zirkus Roncali steht bei diesem Projekt Pate. Ebenso die Bühne von Kurt Dombrovsky um nur eine der Traditionellen Marionettenbühnen zu nennen.

Diese äussere Form gilt es mit Inhalten zu füllen welche authentisch die Seelen des hochverehrten Publikums erreicht. Es darf schenkelklopfend gelacht, geweint, in Nachdenklichkeit versunken werden. Dies soll eben auch geboten werden. Es darf zotig, nachdenklich, traurig, lustig, anmutig, abstossend und vor allem immer frei im Geiste sein und um „Gottes Willen“ ohne kastrierten, pädagogisierten Kasper. Ist nicht gerade der alte Kasper, der sich über alle Konventionen hinwegsetzt und sich jede Frage zu stellen traut der von dem wir am meisten lernen können. In welcher Form auch immer er auftaucht, ist es nach meiner Meinung ein Verbrechen Ihn als klugscheissenden“ Schmeichler darzustellen oder gar mit erhobenem Zeigefinger. In seiner Seele muss er für mich, allein aus seiner Geschichtlichen, weltweiten Bedeutung, der Kindliche Anarchist und Freigeist bleiben. Keiner käme auf die Idee Mephisto als Engel zu verkaufen. Dem Thema Kasper im speziellen und darüber hinaus seine Rolle in meinem Marionettentheater ist ein extra Kapitel gewidmet und soll hier fürs erste genügen.

Unter diesen Gesichtspunkten werden die Stücke und deren Inszenierung gewählt und ausgeführt . Immer die Sehnsüchte der Menschen vor Augen um sie phaszinieren zu können, ihnen eine Pause vom Leben „draussen“ zu ermöglichen, sie Raum und Zeit, Kindgleich vergessen zu lassen. 






Kommentare:

  1. Lieber Herr Curios, viele der eben gelesenen Worte habe ich mit Freude im Herzen gelesen und habe mich sehr am schönen und treffenden Inhalt ergötzt. Nur eine kleine Bitte, mein Großvater hieß Kurt Dombrowsky mit "y",wegen des urzeitlichen polnischen Hochadels im Gegensatz zum "i" des gemeinen Landadels. Mit theatralischem Gruß, hochachtungsvoll Camillo Fischer, Marionetten-Theater-Direktor

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  2. Lieber Herr Camillo Fischer,

    zunächst möchte ich mich für die Ehre bedanken, welche Sie mir durch das lesen meiner Webseite entgegen gebracht haben. Es ist unverzeihlich von mir Ihren Grossvater mit einem "i" zum gemeinen Landadel degradiert zu haben. Ich hoffe, dass Sie mir diesen Fauxpas verzeihen können. Ich bitte hiermit inständig, aufrichtig und von ganzem Herzen um Vergebung. Selbstverständlich habe ich Ihren Grossvater umgehend zum polnischen Hochadel mittels eines "y" korrigiert.

    Mit dramatischer Verzweiflung ,
    verbleibe ich Hochachtungsvoll

    Herr Curios
    Maschinist des Phantasmagorium-Curios

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